Nie wieder kalte Füße - der Zillertaler Doggl macht´s möglich

Gerade in den kälteren Jahreszeiten sind wärmende Hausschuhe ein Must-have für jedermann und jedefrau. Man bezeichnet Hauspatschen in unserer Region auch als (Zillertaler) Doggln. Das Besondere an diesen feinen und warmen Hausschuhen ist, dass sie komplett aus Schafwolle sind und in liebevoller Handarbeit angefertigt und hergestellt werden.

Das junge Unternehmerpaar bemerkte schnell, dass ein Regal im Geschäft immer leer war:

Das Doggl Regal.

Der Zillertaler Doggl besteht aus den Materialien Loden, Walk und Filz. Der Unterschied zwischen Loden und Walk liegt in der Waschung, also wie oft die Schafwolle gewaschen, verfilzt bzw. veredelt wird. Der Filz ist dicht gepresste Schafwolle und wird für die Doggl Sohle verwendet. Die Naturmaterialien reflektieren direkt die eigene Körperwärme und gelten als widerstandsfähig, formstabil, atmungsaktiv, wasserabweisend und vor allem sorgen sie für warme Füße.

Das Geheimnis vom Zillertaler Doggl liegt also einerseits am natürlichen Material und anderseits an der richtigen Machart. Um einen besseren Einblick in die Kunst des Doggl-Machens zu bekommen, besuchte ich Marion und Günther Hartl in Stumm.

Das Handwerk der Familie Hartl

In den schmucken Geschäftsräumlichkeiten von Hartl Doggln in Stumm empfing mich Nadine, die Tochter des Unternehmerpaars herzlich. Ihre bunten grünen Zillertaler Doggln stachen mir sofort ins Auge und durch eine Glastür sah ich Marion und Günther konzentriert und mit sehr viel Hingabe bei der Arbeit.

Wir starteten die Reise der Doggl-Produktion in der Werkstatt der Schuhmanufaktur Hartl: Dort sind die sogenannten „Loast“ nicht zu übersehen. Loast sind Holzleisten bzw. Fußmodelle aus Holz, die die verschiedenen Schuhgrößen und Formen der Zillertaler Doggln definieren. Sie sind griffbereit und sorgfältig nach Schuhgrößen an der Wand aufgeschichtet. Auf den Loast wird die Innensohle des Bio-Filz-Hausschuhs genagelt. Zuvor werden im Schnittraum die Stoffmaterialien für die Produktion zugeschnitten. Diese natürlichen Stoffmaterialien aus Schafwolle werden regional eigens für Familie Hartl und nach deren Qualitätsansprüchen und Standards in Meterware produziert.

Die Handarbeit geht mit Nadel und Zwirn im nächsten Arbeitsschritt weiter: Das Innenfutter muss angenäht werden. Meine Aufmerksamkeit erweckte Marion, als sie den Roggenpapp zusammen rührte. Es erinnerte mich ans Teiganrühren. Der Roggenpapp ist eine jahrelang ausgetüftelte Spezialmischung aus Roggenmehl und Wasser, der als 100% natürlicher Kleber für die Stofflagen fungiert. Damit bekommt der Oberteil des Doggls Stabilität. Bevor nun alles trocknet, wird der Doggl mit einem hochwertigen Lodenstoff überzogen.

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,,Auch Spezial-Anfertigungen wie integrierte Einlagen oder individuelle Designwünsche mit Swarovski Kristallen oder Bestickungen sind kein Problem."

Als nächstes wird die feste Filzsohle zugeschnitten. Der Filz ermöglicht das natürliche „wie barfuß gehen“. Die Sohle wird dann mit einem enormen Kraftaufwand händisch mit dem Doggl Oberteil zusammengenäht.

Das Feintuning steht an: Laschen ausschneiden, Borte und Label aufnähen und mit der Poliermaschine den letzten Schliff vornehmen.

Trotz der flinken und gekonnten Handgriffe benötigen die Dogglmacher sechs bis acht Stunden pro Paar.

„Marion ist die einzige Frau auf der Welt, die Doggln zu 100% allein machen und fertigstellen kann und das in einer Rekordzeit. Sie hat ein unglaubliches Talent. Auch in der Anwendung der Maschinen ist sie sehr begabt“, strahlt Günther.

Bevor die Doggln zum Verkauf stehen, werden sie auf die einheitlichen Qualitätsmerkmale kontrolliert. Günther und Marion ist es enorm wichtig, dass jeder handgemachte Zillertaler Doggl ident in ihrer Hartl Marken-Perfektion ist. Die Kundschaft kauft die Qualität „Hartl Doggln“ und die ist in jedem Stück einheitlich enthalten.

Preislich erhält man Zillertaler Doggln je nach Modell ab 120 Euro.

Die Passion Hartl Doggln: Vom Schuhmacher zum Doggl Produzent

Günther und seine Marion übernahmen 1997 das elterliche Schuhgeschäft in Stumm. Es war das erste Schuhgeschäft, in dem selbstgemachte Zillertaler Doggln erhältlich waren. Doggln waren ursprünglich nicht beim Schuhmacher beheimatet, doch das junge Unternehmerpaar bemerkte schnell, dass ein Regal im Geschäft immer leer war: Das Doggl Regal. Dreiviertel der Ladenfläche war damals mit Schuhen befüllt und ein Viertel mit Doggln und diese waren permanent vergriffen. So kam es, dass sich die beiden 2003 auf die Zillertaler Doggln spezialisierten und das Schuhgeschäft aufließen.

Marion erzählte, dass es anfangs eine harte Zeit als Jungfamilie mit 3 kleinen Kindern war. Doch der Glaube und die Begeisterung an ihre handgefertigten Qualitäts-Doggln waren immer vorrangig. Die beiden haben damals gemeinsam mit Oma Gretl, der Mutter von Marion, die Doggl Produktion begonnen.

2009 ging es für die Hartl Doggln mit der Zillertal Werbung hinaus über die österreichische Grenze nach Hamburg. Dort ist die Zeitschrift „Die Zeit“ auf den Wohlfühl-Hausschuh aus dem Zillertal aufmerksam geworden und berichtete in einer umfangreichen Reportage über die Zillertaler Doggln. Das war der mediale Start für das Handwerk der Familie Hartl. Es folgten TV-Produktionen bei Servus TV, ORF2, ORF 3 und auch in Print Medien.

Ein weiterer Höhepunkt der Schuhmanufaktur Hartl war, als die Zillertaler Doggln den Laufsteg in Paris eroberten. Designerin Vivien Westwood tauschte 2018 kurzerhand Highheels gegen Zillertaler Doggln am Laufsteg aus. Ihr Mann Andreas Kronthaler, ein gebürtiger Zillertaler, gab den Impuls dazu, denn er wollte seine Heimat auf dem Laufsteg mit den Doggln präsentieren. Feinste englische Stoffe wurden damals nach Stumm für die Produktion der Doggln geliefert, damit diese am Laufsteg exakt zu den Designer Klamotten passten. Kurz vor der Show wurden fünf Doggl Paare nachgeordert und prompt produziert. Tochter Nadine übernahm die Zustellung der wertvollen Fracht an Designer Doggln via Flugzeug nach Paris, da der Postversand zeitlich nicht mehr möglich gewesen wäre.

„Es war ein aufregendes Erlebnis, hinter die Kulissen der Designer-Welt zu schauen, das Fitting zu beobachten und bei der Show live dabei zu sein.“, zeigte sich Nadine begeistert.

Günther ergänzte: „Einfach bärig, außer unseren Hartl Doggln haben es noch keine österreichischen Schuhe auf den Pariser Laufsteg geschafft. Wir haben namhafte Kundschaften in Amerika, Wien und auch der Papst besitzt Hartl Doggln.“

Handarbeit Zillertaler Doggl
Zillertaler Doggl Hartl
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Mittlerweile beschäftigt die Firma 7 Mitarbeiter:innen und Oma Gretl.
Tradition trifft auf Moderne

Familie Hartl verfolgt eine stetige Weiterentwicklung ihrer Doggln und sie sind immer offen für Neues. Sie bereisen gerne Fachmessen, um ihr Wissen rund ums Schuhhandwerk upzudaten und neue Inspirationen zu bekommen. Die Fußformen der Menschen haben sich über die Jahre immer wieder verändert, daher überprüfen sie ihre eigenen Standards ständig aufs Neue, um zeitgerechte Serien zu entwickeln.

Sie haben es gewagt, eine eigene Serie für den Plattfuß zu produzieren. Neuproduktionen sind mit einem enormen Kostenaufwand verbunden, denn bei einer neuen Serie braucht man zwei bis fünf neue Loast von der Größe 35 bis zur Größe 50, sowie von allen Fußbreiten (schmal, mittel, breit). Das Schönste an einer neuen Produktion ist die Freude, die die beiden haben, wenn aus einer Idee ein Produkt entsteht.

Auch Spezial-Anfertigungen wie integrierte Einlagen im Zillertaler Doggl oder individuelle Designwünsche mit Swarovski Kristallen oder auch besondere Bestickungen sind für die Dogglmacher:innen kein Problem. Mittlerweile beschäftigt die Firma 7 Mitarbeiter:innen und Oma Gretl.

Zillertaler Doggl Tirol
Natürlichkeit auf Schritt und Tritt

In Hartl´s Doggl Sortiment sind auch „Outdoor Doggln“ erhältlich. Die Machart ist dieselbe, nur wird anstatt der Filzsohle eine Gummisohle mit einem lösungsmittelfreien Spezialkleber ganz ohne Giftstoffe angebracht.

„Besonders wichtig ist uns, dass der Zillertaler Doggl bis ins letzte Detail ohne Giftstoffe ist. Wir sind die einzigen in Europa, die mit dem ungiftigen Kleber umgehen können. Lösungsmittelkleber gehen über die Haut in den Körper. Es ist beruhigend für die Gesundheit unserer Mitarbeiter:innen, die täglich damit arbeiten und für unsere Kund:innen, die ohne giftigen Kleber an den Sohlen natürlich durchs Leben gehen können“, so Günther.

Der Doggl ist also längst nicht mehr nur ein Hausschuh, denn mit der Gummisohle ist das Schuhwerk auch im Freien ein ganzjähriger, praktischer und widerstandsfähiger Begleiter. Im Jahr produzieren die Hartl´s ca. 3.000 Doggl Paare.

Für spezielle Anlässe werden Doggln ganz individuell geordert und produziert: Von Kinderdoggln und weißen Braut-Doggln bis hin zum schwarzen Samtdoggl, der als letzter Lebensschuh getragen wird. Das ist eine besondere Wertschätzung ihrer handgefertigten Produkte.

Auch Knospen werden im Familienbetrieb produziert. Knospen bestehen vorwiegend aus Leder und Holz. Lukas, der Sohn von Günther und Marion hat das Knospen Handwerk und die Technik von seinem Opa gelernt und übernommen.

Die großen Unterschiede zwischen der Produktion von Doggln und Knospen sind nicht nur die Materialien, sondern auch, dass man bei der Knospenherstellung durchgehend, von Beginn bis zur Fertigstellung, immer dabeibleiben muss. Diesen Part deckt Lukas perfekt ab. Er ist im Familienbetrieb auch für Stickarbeiten und den Online Shop zuständig.

Der Online Shop mit ihrem handgemachten Wohlfühl-Schuhwerk wurde vor 7 Jahren eröffnet und wird seitdem aktiv genutzt. Man kann sagen, dass schon fast 50 % online bestellt und gekauft wird.

„Doch der ursprüngliche Charme vom lebendigen Handwerk vor Ort ist einfach ein besonderes Erlebnis für unsere Kund:innen. Sie schauen uns gern über die Schulter und bekommen einen ganz anderen Eindruck von unserer Arbeit. Auch für Änderungswünsche oder Reparaturen haben wir die Türen immer offen“, ergänzt Marion.

Die Hartl´s sind zu einem richtigen Familienbetrieb heran gewachsen. Mittlerweile sind ihre drei erwachsenen Kinder auch fleißig im Business involviert.

Die Macher sind in erster Linie Günther, Marion und Sohn Lukas.

Die Töchter haben Teilgebiete in der Firma übernommen: Nadine ist für die Buchhaltung des Betriebs zuständig und arbeitet hauptberuflich in der Sparkasse. Marketing- und Kommunikationsarbeiten erledigt Katharina exzellent und sehr aktiv. Der Zahn der Zeit verlangt auch hier online Offensiven auf Social Media und Co.

Alle helfen zusammen, damit der Laden läuft. Es ist eine wahre Kunst, tagein tagaus, beruflich und privat zusammen zu sein, Familie Hartl meistert das wunderbar.

„Wir sind unseren Weg immer einfach gegangen. Alles hat sich so ergeben und wir hatten einfach Glück“, freute sich Marion über ihre Passion zum Doggl Handwerk.

Der beste Hausschuh der Welt

Zillertaler Doggln sind wohltuend und vor allem schonend für die Füße, die perfekten Begleiter für zu Hause, aber auch am Fußballplatz, beim Shoppen oder beim Apre Ski. Und das wichtigste: Man hat immer warme Füße!

Zillertaler Doggl fertig
Gewinnspiel/Verlosung: People & Paszion Doggln nach Maß

Und damit auch unsere Leser in Zukunft garantiert warme Füße haben, verlosen wir unter allen Teilnehmenden ein paar Zillertaler Doggln nach Maß. Der Aufruf wird in ein paar Tagen auf Instagram und Facebook starten.

Verena
Verena
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#peopleandpaszion

12 Antworten

  1. Ich habe mich über Internet ein Paar bestellt letztes Herbst. Mit ein wenig unterschiedlicher Größe meiner Füße hat eine „Umrisse“ gereicht und habe ich ein perfektes Paar empfangen.

  2. Mein Papa hat die Doggln ganzjährig immer und überall an, egal ob zum Spazieren oder Kirchen gehen oder zuhause! Sie halten schön warm und sind ein echter Hingucker!

  3. Nie mehr kalte Füße, die Zillertaler Doggln machen’s möglich! Und das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen! Ich lieb die, meine Zillertaler Doggln!

  4. Ich habe schon drei Paare in 10 jahre gebraucht, immer herliche warme Füße, und sehr gemütlich zum tragen!! Hier in Holland fragt man mir woher die schöne ( pantoffels) auf Holländisch kommen und wo man die kaufen kann!!! In Stumm im Zillertal Natürlich!!!
    Liebe Grüße aus Geesteren in Holland.
    Elly und Ben Horstman. 😀👍🍀🍀

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  1. Ich habe mich über Internet ein Paar bestellt letztes Herbst. Mit ein wenig unterschiedlicher Größe meiner Füße hat eine „Umrisse“ gereicht und habe ich ein perfektes Paar empfangen.

  2. Mein Papa hat die Doggln ganzjährig immer und überall an, egal ob zum Spazieren oder Kirchen gehen oder zuhause! Sie halten schön warm und sind ein echter Hingucker!

  3. Nie mehr kalte Füße, die Zillertaler Doggln machen’s möglich! Und das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen! Ich lieb die, meine Zillertaler Doggln!

  4. Ich habe schon drei Paare in 10 jahre gebraucht, immer herliche warme Füße, und sehr gemütlich zum tragen!! Hier in Holland fragt man mir woher die schöne ( pantoffels) auf Holländisch kommen und wo man die kaufen kann!!! In Stumm im Zillertal Natürlich!!!
    Liebe Grüße aus Geesteren in Holland.
    Elly und Ben Horstman. 😀👍🍀🍀

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