Steudltenn Theaterfestival in Uderns

Idyllisch liegt die Ortschaft Uderns im Zillertal da, während die ersten frühlingshaften Temperaturen die Häuser, Gärten und Felder erwärmen. Noch ist alles ruhig und es bleibt nur zu erahnen, was sich in wenigen Tagen und Wochen hier abspielen wird, wenn Bernadette Abendstein und Hakon Hirzenberger gemeinsam mit ihrem ganzen Team zum Steudltenn Theaterfestival einladen.

Es ist Theaterkunst auf höchstem Niveau, die im Rahmen des Steudltenn Theaterfestivals auf der Bühne einer alten Scheune dargeboten wird. Unter Kunst- und Kulturliebhaber:innen ist dies längst kein Geheimnis mehr, besuchen doch jährlich rund 16.000 Menschen die knapp 100 Vorführungen des Festivals in Uderns. „Seit unserer Premiere im Jahr 2011 waren 185.000 Menschen hier. Das ist so eine beachtliche Zahl, da wird man ehrfürchtig“, bringt es Bernadette Abendstein auf den Punkt. Sie war es, die das Theaterfestival ins Leben gerufen hat. Die Schauspielerin, die bereits auf vielen Bühnen in unterschiedlichen Großstädten ihr Können dargeboten hat, hatte diesen Traum vom eigenen Theater. Mit Hakon Hirzenberger hat sie den perfekten Partner für ihr Vorhaben gefunden. Fehlte nur noch eine geeignete Location, doch dank des familiären Zusammenhalts am Hof der Familie Abendstein, wurde auch dafür eine Lösung gefunden.

Vom Traum zur fixen Idee

„Nachdem ich mein Schauspiel-Studium bei Elfriede Ott in Wien abgeschlossen hatte, war ich fünf Jahre fix als Schauspielerin am Theater in der Josefstadt in Wien angestellt. Bereits während dieser Zeit reifte in mir der Wunsch nach einem eigenen Theater“, erinnert sich Bernadette Abendstein zurück. Sie wollte gern selbst kreativ mitgestalten, sah zu Beginn aber noch keine Möglichkeit, sich diesen Traum zu erfüllen.

Immer wieder kam damals eine Abordnung an Familie, Freund:innen und Bekannten zu ihren Vorführungen und Bernadette fand es zunehmend schade, dass nur ein sehr kleiner Kreis diese tollen Produktionen und Geschichten erleben kann, in denen sie mitwirkte. Daraus entwickelte sich der Gedanke, das Theater in ihre Heimat im Zillertal zu bringen, um mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, dies mitzuerleben.

Ein Heustadel als Theaterbühne

Als Bernadette Hakon Hirzenberger kennengelernt hatte, griffen plötzlich mehrere Rädchen ineinander: „Hakon hatte dieses Netzwerk an der Hand und das Knowhow, um Theateraufführungen zu organisieren. Außerdem hat sich zu dieser Zeit mein Papa an uns drei Schwestern gewandt, um zu besprechen, was mit unserer heimischen Landwirtschaft weiter passieren sollte. Als sich herausstellte, dass wir keine Tiere mehr halten würden und demnach auch keinen Heustadel mehr brauchten, kam mir die Idee, diesen zum Theater umzubauen. Mein Papa war sofort begeistert. Das fand ich damals wirklich sehr besonders“, erzählt Bernadette.

Hakon probte damals gerade mit dem Waldviertler Hoftheater und er wollte erst klären, ob diese Location überhaupt theatertauglich sein würde. Kurzerhand wurde damals eine Generalprobe im provisorisch vorbereiteten Heustadel vorgenommen, zu der einige Besucher:innen eingeladen waren. „Das Echo war famos und wir haben gesehen, dass sich diese Bühne perfekt für Theaterproduktionen eignete“, so Bernadette und Hakon ergänzt: „Die Größe passte und die Akustik war großartig. Es waren über die Jahre schon einige Tontechniker hier, die Subwoofer (Lautsprecher) gesucht haben – aber es gibt nach wie vor keine.“ Gemeinsam mit Bernadettes Papa machten sich damals schließlich alle an die Arbeit, den Steudltenn auszuräumen, zu reinigen und vorzubereiten. Die Scheune wurde noch sandgestrahlt, ansonsten aber so belassen, wie sie war.

„Seit unserer Premiere im Jahr 2011 waren 185.000 Menschen hier. Das ist so eine beachtliche Zahl, da wird man ehrfürchtig.“
– Bernadette Abendstein
Verbindung zwischen früher und heute

Das tolle an diesem Platz ist für Bernadette, dass er seine Lebendigkeit behält. Hier wurden schon zur Zeit, als ihr Urgroßvater den Hof noch führte, Waren getauscht und gehandelt. Beim Steudler hat man sich getroffen und unterhalten. Diese Vielseitigkeit und das bunte Treiben bleiben durch das Theaterfestival auch weiterhin aufrechterhalten. „Nur werden hier heute Gedanken getauscht – keine Kurzwaren mehr“, so Bernadette.

Knowhow und Familienzusammenhalt

„Ich fand es unheimlich spannend, das Unmögliche zu versuchen und in einer Scheune eine Theaterproduktion unter höchstem professionellen Anspruch zu wagen“, erinnert sich Hakon. Ihm war zudem bewusst, dass durch dieses gemeinschaftliche Projekt ein Familienleben mit Bernadette und den Kindern möglich sein würde, ohne auf berufliche Weiterentwicklung verzichten zu müssen. „Diese Vereinbarkeit ist sonst bei Theater-Schauspielenden nicht gegeben“, weiß der Regisseur, Autor und Schauspieler. Ausschlaggebend für die endgültige Entscheidung waren dann einerseits die Größe des Stadls und andererseits auch dieser Löwenzusammenhalt einer Großfamilie, den sich Hakon erst gar nicht vorstellen konnte. Dass alle so sehr mitgeholfen und mit angepackt haben, hat ihn überzeugt und er sah plötzlich die Chance, hier etwas sehr Einzigartiges auf die Beine zu stellen.

Erste Produktion 2011

Bereits während der ersten Spielzeit kamen 5.000 Zuseher:innen nach Uderns und die Rückmeldungen waren durchwegs hervorragend. Von Anfang an wurde auch eine junge Zielgruppe angesprochen und es gab Stücke und Produktionen für Kinder und Jugendliche. Unter anderem wurde Nelson der Pinguin aufgeführt. Ein Stück, das auf der Kinderbuchreihe basiert, die Hakon selbst geschrieben hat und das mittlerweile tausende Kinder gesehen haben.

Das Festival

Jährlich wird das Festival Ende März mit einem Symposium eröffnet, bei dem im Garten rund um den Hof Kunstwerke ausgestellt werden. Zu bestimmten Zeiten kann man hier auch den Künstler:innen und Kunsthandwerker:innen bei der Arbeit über die Schulter schauen und sich natürlich auch mit ihnen unterhalten. Auch erste (Schul-)Vorführungen und Events finden dann bereits statt. „Die offizielle Eröffnung ist aber gekoppelt an die Vorführung eines Theaterstücks, bei dem es auch einen Festakt gibt. Heuer wird am 15. April mit der Uraufführung von ‚Wie hoch ist oben‘ offiziell eröffnet“, schildert Bernadette Abendstein, die heuer nach jahrelanger Pause selbst ebenfalls wieder auf der Bühne zu sehen sein wird. Auch Hakon steht in diesem Jahr auf der Bühne. „Ich spiele eine Rolle in dem Stück ‚Herzfleisch‘, das wir vor 20 Jahren uraufgeführt haben. Aber das ist wirklich eine Ausnahme“, erzählt er. Sein Hauptaugenmerk liegt mittlerweile auf dem Schreiben und Regieführen. „Dabei hat man mehr Möglichkeiten, die Geschichte zu leiten. Man verpasst dem Stück einen eigenen Look und beeinflusst, was im Endeffekt dabei herauskommen wird. Das ist nicht alltäglich und immer wieder aufs Neue spannend“, erklärt der Regisseur. Mit der Themenwahl wird versucht, den Zeitgeist zu treffen, um damit die Menschen zu erreichen. Dass dies sehr gut gelingt, zeigt die Resonanz der letzten Jahre.

Die gute Mischung

Viele, die zum ersten Mal das Steudltenn Theaterfestival besuchen, sind überrascht von der herausragenden Qualität. „Die Menschen können sich das oft gar nicht vorstellen, was wir hier in dieser ländlichen Gegend auf die Beine stellen und wie hochkarätig auch der Cast ist“, weiß Hakon. Das Einzugsgebiet für das Festival ist mittlerweile sehr gewachsen. Die Besucher:innen kommen aus ganz Tirol und darüber hinaus! Ich finde, die Qualität der Stücke bemerken aber schlussendlich alle in unserem bunt gemischten Publikum“, erzählt Bernadette.

Die Nähe einer kleinen Bühne

Es ist schwieriger, auf einer kleinen Bühne zu spielen, finden Hakon und Bernadette. „Auf den bekannten Bühnen großer Städte, auf denen wir beide schon gespielt haben, ist man ein Teil eines sehr großen Komplexes. Da ist mehr Anonymität gegeben und die Distanz wird gewahrt“, erklärt Bernadette und Hakon ergänzt: „Die Bühne hier verzeiht den Schauspielenden wenig. Gleichzeitig erfährt man diese Nähe zum Publikum und im Umkehrschluss auch das Publikum zu den darstellenden Personen auf der Bühne. Das ist eine Herausforderung, aber diese wird von allen sehr geschätzt.“  Diese Nähe macht etwas mit den Menschen. Dadurch wird die Erfahrung emotionaler und es entsteht ein Miteinander, was auch bekannte Persönlichkeiten aus TV-Produktionen hier sehr genießen. Eine Besucherin meinte einst, sie hätte hier stets das Gefühl, Teil des Stückes zu sein und das bringt es eigentlich auf den Punkt:  Das ist das Besondere am Steudltenn Theaterfestival.

„Ich fand es unheimlich spannend, das Unmögliche zu versuchen und in einer Scheune eine Theaterproduktion unter höchstem professionellen Anspruch zu wagen.“

– Hakon Hirzenberger

Die Sparkasse Schwaz als wichtige Unterstützerin

Ein Theaterfestival wie dieses finanziert sich durch Förderungen von unterschiedlichen Stellen. Die Sparkasse Schwaz fungierte seit Beginn des Festivals als Unterstützerin des Kulturprojekts. „In der Sparkasse Schwaz hat man von unserem Vorhaben gehört und war sofort begeistert von der Idee. Unterstützungen wie diese sind unglaublich wertvoll, wenn man mit so einem Vorhaben durchstartet“, betonen Bernadette und Hakon und erinnern sich: „In der Sparkasse Schwaz hat man einfach von Anfang an an uns geglaubt.“

Alle Infos zum Steudltenn-Theaterfestival

www.steudltenn.com

Kinderbuchreihe von Hakon Hirzenberger:
Nelson der Pinguin

Fotonachweis: Christian Wind, Sabine Hauswirth, Steudltenn, Sabine Knapp

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