Freie Berufe und Finanzen: Der Fahrplan für Ärztinnen und Ärzte in die Selbstständigkeit

Der Weg in die Selbstständigkeit, die Übernahme einer Praxis oder der langfristige Aufbau von Vermögen: Wer in freien Berufen wie der Medizin arbeitet, steht heute vor weit mehr als nur fachlichen Entscheidungen. Finanzielle Weitsicht wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Wir haben mit Florian Siebenhofer und Gebhard Fenkiw gesprochen, zwei Finanzexperten der Sparkasse Schwaz, die täglich mit Ärzt:innen arbeiten. In diesem Artikel erfährst du in Kürze, worauf es bei freien Berufen finanziell wirklich ankommt: von den ersten Schritten in die eigene Praxis bis zur langfristigen Vorsorge.

Freie Berufe: Ärzt:innen starten später in die Selbstständigkeit

Wer als Ärzt:in arbeitet, hat meist einen langen Ausbildungsweg hinter sich: Studium, Facharztausbildung, Praxisjahre. Das dauert. Deshalb beginnt die Selbstständigkeit in der Medizin oft später als in anderen freien Berufen. Gebhard Fenkiw kennt das aus seiner Beratungspraxis genau: „Bei Ärzt:innen in Österreich beginnt die Selbsttändigkeit aufgrund ihrer langen Ausbildungszeiten deutlich später, nämlich typischerweise zwischen 28 und 30 Jahren.“ Das hat Folgen: Der geordnete Vermögensaufbau beginnt später, Studienkredite oder Ausbildungsfinanzierungen machen die Ausgangslage komplexer. Genau deshalb zahlt sich frühe Planung aus. Nicht erst dann, wenn der Mietvertrag für die Praxis unterschrieben wird, sondern schon davor.

Der Praxisstart: Zwei Fragen, die du dir stellen solltest

Viele junge Ärzt:innen und Ärzte träumen von der eigenen Praxis. Verständlich: Selbstständigkeit bedeutet Freiheit. Sie bedeutet aber auch mehr Verantwortung. Ein häufiger Aha-Moment ist die Planrechnung: Was kostet der Start wirklich? Florian Siebenhofer bringt es auf zwei Kernfragen: „Habe ich ausreichend Liquidität und habe ich mich ausreichend abgesichert für Eventualitäten beziehungsweise vorgesorgt?“ Liquidität heißt: Geld zur Verfügung haben, wenn du es brauchst, etwa über eine passende Rahmenlinie. Absicherung heißt: an Krankheit, Unfall oder eine spätere Pensionslücke denken, bevor sie zum Thema werden. Eine realistische Planrechnung, im besten Fall gemeinsam mit einer spezialisierten Steuerberatung erstellt, macht aus der Idee einer eigenen Praxis einen tragfähigen Plan.

Vom Fachmenschen zum Unternehmer: Freie Berufe brauchen eine zweite Rolle

Mit der eigenen Praxis verändert sich auch das Denken. Als angestellte:r Ärzt:in oder angestellter Arzt steht die medizinische Arbeit im Mittelpunkt. In der Selbstständigkeit kommt eine zweite Rolle dazu. „Das unternehmerische Denken kommt nun erst dazu“, bringt es Florian Siebenhofer auf den Punkt. Ab diesem Moment geht es nicht nur um Patient:innen, sondern auch um Mitarbeitende, Finanzen und strategische Entscheidungen. Klingt nach viel, lässt sich aber gut strukturieren: Ein Finanzplan, eine enge Abstimmung mit der Steuerberatung und eine Bank des Vertrauens schaffen ein stabiles Fundament für das junge Unternehmen.

In der Selbstständigkeit kommt eine zweite Rolle dazu – und zwar jene der Unternehmer:in.
Praxisübernahme und Primärversorgungseinheiten: Der Kaufpreis ist nur die halbe Wahrheit

Bei einer Praxisübernahme oder einer Beteiligung an einer Primärversorgungseinheit (PVE) schauen viele zuerst auf den Kaufpreis. „Man könnte meinen, es zählt nur der Kaufpreis. Dem ist aber nicht so“, sagt Gebhard Fenkiw. Für nachhaltigen Erfolg zählen der künftig erzielbare Gewinn, die passende Finanzierungs- und Kapitalstruktur sowie eine sorgfältige Liquiditätsplanung. Auch mögliche Synergien und anstehende Investitionen oder Modernisierungen spielen eine Rolle. Gerade Primärversorgungseinheiten werden dabei im ländlichen Raum immer wichtiger. Wer sich beteiligt, sollte aber nicht nur den Einstieg betrachten, sondern die langfristige Entwicklung.

Vermögensaufbau in freien Berufen: Klein anfangen, groß rauskommen

Ärzt:innen haben oft unregelmäßige Einkommensverläufe. Trotzdem lohnt sich ein früher Start bei Vorsorge und Veranlagung. Auch kleine, regelmäßige Beträge können dank Zinseszinseffekt langfristig viel bewirken: Erträge bringen wieder Erträge, je früher du beginnst, desto stärker wirkt der Effekt. Wichtig dabei: nicht spekulieren und nicht jedem Trend hinterherlaufen. Eine gute Veranlagung ist breit gestreut und passt zur persönlichen Risikoneigung. Wer im medizinischen Alltag wenig Zeit dafür hat, sollte sich fachlich begleiten lassen.

Die häufigsten Fehler bei Investitionen in freien Berufen

Der größte Fehler: eine fehlende oder zu spät kommende Strategie. Dann entstehen einzelne Entscheidungen ohne klares Ziel, Konzentrationsrisiken oder emotionale Fehlentscheidungen, etwa wenn aus Angst verkauft oder aus Euphorie zu spät eingestiegen wird. Besser ist ein ganzheitlicher, individueller Plan, der regelmäßig überprüft wird. Denn die finanzielle Situation verändert sich mit Praxis, Einkommen und persönlichen Zielen.

Freie Berufe brauchen Freiheit und Struktur

Freie Berufe bieten große Chancen. Besonders Ärzt:innen können mit einer eigenen Praxis viel gestalten. Damit diese Freiheit nicht zur Belastung wird, braucht es finanzielle Struktur: realistische Planung, ausreichend Liquidität, passende Absicherung und eine klare Vermögensstrategie. Die Sparkasse Schwaz begleitet Ärzt:innen dabei mit regionaler Beratung und passenden Lösungen rund um Zahlungsverkehr, Finanzierung, Veranlagung und Vorsorge. Wer freie Berufe ausübt und seine Praxis finanziell weiterentwickeln möchte, ist hier gut aufgehoben.

Du planst den Schritt in die Selbstständigkeit oder möchtest deine Praxis finanziell weiterentwickeln?

Dann vereinbare jetzt ein Beratungsgespräch mit der Ärzteberatung Schwaz oder informiere dich über das Angebot für freie Berufe bei der Sparkasse Schwaz.

Bitte beachten Sie

Eine Veranlagung in Wertpapiere birgt neben Chancen auch Risiken.

Spread your paSZion with us

#peopleandpaszion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bild von Alex

Alex

Die Challenge für Vereine aus dem Bezirk Schwaz

Die Challenge für Vereine aus dem Bezirk Schwaz